Kinder lieben Literatur
Nur der Glaube zählt: Darum ist das Einhorn Mythos und Realität zugleich

Die Brandenburger Bücherkinder haben geforscht und wissen, wo Einhörner leben. Die aktuelle Ausstellung im Barberini in Potsdam hat daran ihren Anteil.
Heiko Hesse
27.01.2026, 09:49 Uhr
Brandenburg an der Havel. Wo das Einhorn lebt? Im Kinderzimmer, zwischen anderen Kuscheltieren. An der Fassade der Einhorn-Apotheke, die man in Deutschland in manchen Städten findet. Und in unseren Herzen, Träumen und Gedanken.
„Einhörner bleiben für immer“, sagt Annelie Herta Lange, „wenn wenigstens ein Mensch daran glaubt, gerät das Einhorn nicht in Vergessenheit.“
Schülerin Annelie Herta Lange ist eines der Brandenburger Bücherkinder, die sich über Monate mit Einhörnern und ihrem Zauber beschäftigt haben. Am Ende ist ein neues Buch der Bücherkinder entstanden, dem Projekt, mit dem Pädagoge und Sonnensegel-Gründer Armin Schubert Kindern Literatur näher bringt.
Auslöser war die große Einhorn-Ausstellung, die gerade im Museum Barberini in Potsdam läuft. „Ich bin angesprochen worden, ob die Bücherkinder nicht mal ein Einhorn-Buch machen könnten“, sagt Armin Schubert. Erst habe er innerlich mit den Augen gerollt, weil ihm dieses Thema zu trivial erschien.

Doch heute weiß er: Das Thema ist Gold wert. „Für mich steht das Einhorn dafür, welche Kreativität es bei den Kindern ausgelöst hat. Unglaublich, wie es die Fantasie anregt.“
Für mich steht das Einhorn für gute Sachen.
Yuna Kunz, Bücherkind
„Für mich steht das Einhorn für gute Sachen“, sagt Schülerin Yuna Kunz, „und dass es hilft, wenn es um etwas Gutes geht.“ Und: „Es ist da, wenn du es brauchst.“
Einhorn-Teppich in Brandenburg an der Havel
Dass ausgerechnet die Brandenburger Kinder angesprochen wurden, war naheliegend. „Unsere Arbeit begann mit dem viel zu wenig bekannten Einhorn-Teppich, der vermutlich um das Jahr 1450 in Lüneburg entstand und der auf wundersame Weise in die St.-Gotthardtkirche der Altstadt von Brandenburg gelangte“, hält Armin Schubert im Vorwort des Einhorn-Buches fest.
Zahlreiche Geschichten über das Einhorn oder den Teppich brachten die Bücherkinder zu Papier. Geschichten, die von der Herkunft des Teppichs erzählen, eine nach wie vor ungeklärte Herkunft. Und Geschichten, die von der Wunderkraft des Fabelwesens erzählen.

Eine berichtet von den Brandenburger Stadtmusikanten. Dies sind das Gotthardt-Einhorn, der Waldmops, die Kirchenkatze aus dem Dom und ein Wetterhahn.
Das Bild vom magischen Einhorn
„Das Einhorn“, sagt Schüler Leonard Des Jardin, „bringt Frieden, es sorgt für Ordnung und steht den Lebewesen bei.“ Ist es für ihn real? Er schmunzelt. Sein liebstes Einhorn ist jenes auf dem Gotthardt-Teppich: „Es ist nicht so kitschig.“
Dass Einhörner kein Kinderkram sind und auch Erwachsene berühren, belegt Pfarrerin Diana Bernitt-Pscherwankowski. „In unserer wahnsinnig schnellen Gesellschaft ist das Einhorn ein kleiner Zufluchtspunkt, jeder braucht solche Punkte“, sagt sie. Bei Gottesdiensten hatte die Pfarrerin geholfen, Spenden für die Produktion des Einhorn-Buches zu sammeln.

Seit rund 15 Jahren regt Armin Schubert mit dem Buchprojekt die Lust auf Literatur bei Mädchen und Jungen an. Sie beschäftigen sich mit Werken unter anderem von Jurek Becker, Franz Fühmann und Christa Wolf. Am Ende jedes Projekts steht ein Buch, das die Kinder mit Mentor Armin Schubert herstellen.
Nun also das Einhorn. Für Annelie Herta Lange ist es eine Premiere. „Ich wollte schon lange an einem Buch mitwirken.“ In ihrer Geschichte webt sie eine Eigenschaft ein, die man im Mittelalter dem magischen Einhorn zusprach: „Zum Dank drehte sich das Einhorn um, trabte zum Brunnen und tauchte sein langes und schönes Horn in das grünliche Wasser. Sofort wurde es wieder klar.“
